Rentenlücke berechnen: So viel fehlt dir wirklich

Warum du deine Rentenlücke kennen solltest

„Die Rente wird nicht reichen“ – das hast du bestimmt schon hundertmal gehört. Nur: Wie viel fehlt eigentlich? 200 Euro? 1.000 Euro? Die meisten wissen es nicht. Und ohne diese Zahl ist jede Sparentscheidung ein Blindflug. Die gute Nachricht: Du musst kein Rentenexperte sein, um deine Lücke grob zu berechnen. Du brauchst deine Renteninformation, einen Taschenrechner und etwa 15 Minuten. In diesem Artikel gehen wir das Schritt für Schritt durch – mit einer Beispielrechnung, die du mit deinen eigenen Zahlen nachmachen kannst.
💡 Was ist die Rentenlücke? Die Rentenlücke ist der Unterschied zwischen dem, was du im Alter monatlich zum Leben brauchst, und dem, was du tatsächlich netto an Rente bekommst. Kurz: Wunsch minus Wirklichkeit.

Erst mal aufräumen: Was die „48 Prozent“ wirklich bedeuten

Bevor wir rechnen, räumen wir mit einem hartnäckigen Missverständnis auf. Oft liest man, man bekomme später „48 Prozent seines letzten Gehalts“ als Rente. Das stimmt so nicht. Das Rentenniveau von 48 Prozent – offiziell „Sicherungsniveau vor Steuern“ – ist eine statistische Durchschnittsgröße. Es vergleicht die Rente eines sogenannten Standardrentners (45 Beitragsjahre, immer genau Durchschnittsverdienst) mit dem aktuellen Durchschnittseinkommen – jeweils nach Sozialabgaben, aber vor Steuern. Mit dem Rentenpaket 2025 wurde dieses Niveau bis 2031 abgesichert. Was danach kommt, ist politisch offen. Für dich heißt das: Aus den 48 Prozent kannst du deine persönliche Rente nicht ablesen. Die hängt davon ab, wie lange und wie viel du eingezahlt hast. Deshalb rechnen wir hier nicht mit Durchschnittswerten, sondern mit deinen eigenen Zahlen.

Die Formel – einfacher als gedacht

🧮 Rentenlücke = Wunsch-Netto im Alter − erwartete Netto-Rente − sonstige Netto-Einkünfte im Alter
Drei Zahlen, eine Subtraktion. Der Trick liegt darin, jede dieser Zahlen realistisch einzuschätzen. Genau dabei verschätzen sich die meisten.

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In 4 Schritten zu deiner Rentenlücke

Schritt 1

Deine Renteninformation hervorkramen

Wenn du mindestens 27 Jahre alt bist und fünf Jahre in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt hast, bekommst du einmal im Jahr Post von der Deutschen Rentenversicherung: die Renteninformation. Kein Brief zur Hand? Du kannst sie online bei der Deutschen Rentenversicherung anfordern. Wichtig ist vor allem ein Wert: die Höhe deiner künftigen Regelaltersrente. Diese Hochrechnung geht davon aus, dass du bis zur Rente ungefähr so weiter einzahlst wie in den letzten Jahren.
💡 Gut zu wissen: Dieser Hauptwert ist ohne künftige Rentenerhöhungen gerechnet. Vereinfacht kannst du ihn deshalb als Betrag in heutiger Kaufkraft lesen. Das ist praktisch – denn so vergleichst du später Äpfel mit Äpfeln.
Schritt 2

Aus brutto netto machen

Die Zahl in deiner Renteninformation ist ein Bruttobetrag. Davon gehen noch ab:
  • Kranken- und Pflegeversicherung: Als gesetzlich versicherter Rentner zahlst du grob 12 Prozent deiner Rente an Beiträgen. Die genaue Höhe hängt unter anderem vom Zusatzbeitrag deiner Kasse ab und davon, ob du Kinder hast.
  • Steuern: Renten sind steuerpflichtig – für künftige Rentner fast vollständig. Der steuerpflichtige Anteil steigt mit jedem neuen Rentenjahrgang und erreicht 2058 die vollen 100 Prozent. Wie viel Steuer am Ende anfällt, hängt stark von deiner persönlichen Situation ab.
💡 Faustregel für eine erste Schätzung: Rechne mit etwa 15 bis 20 Prozent Abzug von deiner Bruttorente. Das ist keine Steuerberechnung, sondern eine grobe Orientierung.
Schritt 3

Deine Wunschrente festlegen

Jetzt die spannende Frage: Wie viel Geld brauchst du im Alter – netto, pro Monat, in heutigen Preisen? Oft liest man 70 bis 80 Prozent des heutigen Nettoeinkommens als Orientierung. Besser ist ein ehrlicher Blick auf deine Ausgaben:
  • Was fällt weg? Fahrtkosten zur Arbeit, Sparraten, vielleicht ein abbezahlter Kredit.
  • Was bleibt? Miete oder Nebenkosten, Lebensmittel, Versicherungen, Auto.
  • Was kommt dazu? Oft mehr Ausgaben für Gesundheit, Hobbys oder Reisen – schließlich hast du endlich Zeit.
💡 Tipp: Nimm deine heutigen Monatsausgaben als Basis und passe sie Punkt für Punkt an. Das dauert zehn Minuten und ist deutlich realistischer als jede pauschale Prozentzahl.
Schritt 4

Sonstige Einkünfte abziehen – und rechnen

Hast du zusätzlich eine Betriebsrente, einen Riester-Vertrag oder andere Einkünfte, die im Alter sicher fließen? Dann ziehe deren voraussichtlichen Nettobetrag ebenfalls ab. Achtung: Auch diese Einkünfte sind in der Regel steuer- und oft beitragspflichtig. Jetzt alles in die Formel einsetzen – fertig ist deine Rentenlücke.

Beispielrechnung: So sieht das bei Markus aus

Markus (fiktives Beispiel) ist 40 Jahre alt und geht voraussichtlich mit 67 in Rente.
Position Betrag pro Monat
Rente laut Renteninformation (brutto) 1.600 €
minus Kranken-/Pflegeversicherung und Steuern ca. − 255 €
Erwartete Netto-Rente ca. 1.345 €
Wunsch-Netto im Alter (heutige Kaufkraft) 2.200 €
Sonstige Einkünfte 0 €
Rentenlücke ca. 850 €
Beispielrechnung, vereinfacht, auf Basis heutiger Beitrags- und Steuerregeln. Keine Prognose und keine Garantie – deine persönlichen Zahlen können deutlich abweichen. 850 Euro im Monat klingt erst mal überschaubar. Über 20 Jahre Ruhestand summiert sich das aber auf rund 204.000 Euro – in heutiger Kaufkraft. Genau diese Summe muss irgendwoher kommen.

Der Stresstest: Was, wenn es schlechter läuft?

Niemand weiß, wie sich die gesetzliche Rente in 27 Jahren entwickelt. Die Haltelinie von 48 Prozent gilt nach heutigem Stand nur bis 2031, und über Rentenniveau und Renteneintrittsalter wird weiter diskutiert. Deshalb lohnt sich ein kleiner Stresstest: Was, wenn Markus‘ Rente real 10 Prozent niedriger ausfällt als heute berechnet? Dann steigt seine Lücke im Beispiel von rund 850 auf rund 970 Euro im Monat. Kein Weltuntergang – aber ein guter Grund, beim Sparen etwas Puffer einzuplanen.
⚠️ Wichtig: Der Stresstest ist keine Vorhersage, sondern eine „Was wäre, wenn“-Rechnung. Er hilft dir, nicht nur mit dem freundlichsten Szenario zu planen.

Die Inflationsfalle: Warum du in heutigen Euro rechnen solltest

Ein Fehler, der viele Rentenrechnungen verzerrt: das Mischen von heutigen und zukünftigen Euro. Markus wünscht sich 2.200 Euro nach heutigen Preisen. Bei einer angenommenen Inflation von 2 Prozent pro Jahr bräuchte er in 27 Jahren aber rund 3.750 Euro, um sich dasselbe leisten zu können. Wer die Wunschrente in heutigen Euro ansetzt, die Rente aber in zukünftigen Euro – oder umgekehrt –, bekommt eine völlig schiefe Lücke heraus.
💡 Die einfachste Lösung: Rechne alles in heutiger Kaufkraft. Deine Renteninformation liefert dir den passenden Wert, und deine Wunschrente schätzt du ohnehin in heutigen Preisen. So bleibt die Rechnung ehrlich und übersichtlich.

Die 5 häufigsten Fehler beim Berechnen der Rentenlücke

❌ Mit der Bruttorente rechnen

Die Zahl in der Renteninformation ist nicht das, was auf deinem Konto landet. Ohne Abzüge unterschätzt du deine Lücke schnell um mehrere hundert Euro.

❌ Die 48 Prozent auf das eigene Gehalt beziehen

Das Rentenniveau ist ein Durchschnittswert für einen Standardrentner – keine persönliche Prognose.

❌ Die Wunschrente schönrechnen

„Im Alter brauche ich ja weniger“ – vielleicht. Aber Gesundheit, Reparaturen oder Reisen kosten Geld. Lieber realistisch als optimistisch.

❌ Heutige und zukünftige Euro mischen

Entweder alles in heutiger Kaufkraft oder alles in zukünftigen Euro. Mischen führt zu falschen Ergebnissen.

❌ Nur mit dem besten Fall planen

Ein kleiner Stresstest kostet eine Minute und bewahrt dich vor bösen Überraschungen.

Und jetzt? Von der Lücke zum Plan

Die Rentenlücke ist der erste Schritt – aber noch keine Lösung. Wenn du deine Zahl kennst, stellen sich zwei Anschlussfragen:
  1. Wie viel Vermögen brauche ich, um diese Lücke im Ruhestand zu schließen?
  2. Wie viel muss ich dafür monatlich sparen – realistisch, inklusive Inflation?
Ein breit gestreuter ETF-Sparplan ist für viele eine einfache und kostengünstige Möglichkeit, dieses Vermögen Schritt für Schritt aufzubauen. Wie du so einen Sparplan einrichtest, erfährst du im Artikel ETF-Sparplan starten: Die Schritt-für-Schritt-Anleitung.

Und wenn du dich fragst, bei welchem Broker du deinen Sparplan am besten anlegst: Im ehrlichen Vergleich Scalable Capital vs. Trade Republic schauen wir uns die beiden beliebtesten Neobroker genau an.

Fazit: Eine Zahl, die alles verändert

Die meisten schieben das Thema Rente vor sich her, weil es sich riesig und unübersichtlich anfühlt. Dabei reicht eine einfache Rechnung, um aus dem diffusen Bauchgefühl eine konkrete Zahl zu machen:
  • Renteninformation holen und den Wert der Regelaltersrente notieren
  • Grob 15–20 Prozent für Kranken-/Pflegeversicherung und Steuern abziehen
  • Die eigene Wunschrente ehrlich und in heutigen Preisen schätzen
  • Sonstige Einkünfte abziehen – fertig ist die Rentenlücke
  • Zur Sicherheit einen Stresstest mit 10 Prozent weniger Rente machen
Was greifbar ist, lässt sich angehen. 🛟

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Häufige Fragen zur Rentenlücke

Wo bekomme ich meine Renteninformation?

Sie kommt jährlich per Post, sobald du mindestens 27 Jahre alt bist und fünf Jahre Beiträge gezahlt hast. Alternativ kannst du sie bei der Deutschen Rentenversicherung online anfordern.

Ich bin selbstständig oder verbeamtet – gilt das auch für mich?

Das Prinzip „Wunsch minus Wirklichkeit“ gilt für alle. Die Beispielrechnung bezieht sich aber auf Angestellte in der gesetzlichen Rentenversicherung. Bei Pensionen, Versorgungswerken oder ohne Rentenansprüche sehen die Ausgangszahlen anders aus.

Wie genau ist so eine Berechnung?

Sie ist eine Schätzung, keine Prognose. Gesetze, Steuern und dein Berufsweg können sich ändern. Deshalb lohnt es sich, die Rechnung alle ein bis zwei Jahre mit der neuen Renteninformation zu wiederholen. Rechtlicher Hinweis: Alle Inhalte dieses Artikels dienen ausschließlich der allgemeinen Information und Finanzbildung. Sie stellen keine individuelle Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung dar. Alle Beispielrechnungen sind vereinfacht und ohne Gewähr. Kapitalanlagen sind risikobehaftet und können zu Verlusten führen.
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Renten-Retter Redaktion

Finanzbildung für alle, die ihre Rentenlücke verstehen und mit einem ETF-Sparplan schließen wollen – ohne Bankberater und ohne Fachchinesisch.

⚠️ Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und stellt keine individuelle Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung dar. Kapitalanlagen sind mit Risiken verbunden. Dieser Artikel kann Affiliate-Links enthalten – diese sind stets transparent gekennzeichnet.